Ratgeber zum Thema Inkontinenz

Inkontinenz

In der lateinischen Sprache bedeutet der Begriff „Continentia“ Zurückhalten und das Wort „Incontinentia“ das Unvermögen, etwas zurückzuhalten. Der medizinische Ausdruck Inkontinenz wurde demzufolge von dem Begriff Incontinentia abgeleitet und wird heute meistens verwendet, wenn es sich um eine Harninkontinenz oder auch Blasenschwäche genannt, handelt. Neben der Harninkontinenz sind aber auch viele Menschen von einer Stuhlinkontinenz betroffen.

Obwohl unsere Gesellschaft modern, aufgeschlossen und aufgeklärt ist, bleibt Inkontinenz immer noch ein Tabu- Thema. Menschen mit einer Inkontinenz fürchten oft die Reaktionen ihrer Mitmenschen, haben Angst vor Ablehnung und unfreundlichen und herablassenden Kommentaren.

Viele Menschen mit einer Inkontinenz schämen sich, zu ihrer Erkrankung zu stehen und verheimlichen sie, so lange es möglich ist. Sie fühlen sich immer unsicher und befürchten stets, andere könnten etwas sehen oder an ihnen riechen.

Die Inkontinenz ist keine lebensbedrohliche Erkrankung; sie ist aber immer krankhaft bedingt. Die Ursachen und Auslöser sind so unterschiedlich, dass nur eine genaue medizinische Untersuchung Aufschluss darüber geben und sie ev. beheben oder einschränken kann. Auslöser für eine Inkontinenz können z.B. bei Blase oder Nieren zu finden sein, es kann eine Störung der beteiligten Nervenstränge oder sogar eine unzureichende Reizverarbeitung im Gehirn vorliegen. Es gibt unterschiedliche Formen der Inkontinenz.

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz (Urge- Inkontinenz) zieht sich der Blasenmuskel plötzlich und ohne Vorwarnung zusammen, was zu einem unfreiwilligen und nicht zu beeinflussenden Urinverlust führt. Ein Defekt des Schließmuskelverschlusses liegt hierbei nicht vor.

Eine Dranginkontinenz kann z.B. die Folge einer chronischen Blasenentzündung sein oder nach der Bildung von Blasensteinen entstehen. Ebenso können Störungen der Harnblase oder eine Verengung der Harnröhre Gründe für diese Erkrankung sein. Auch wenn Nervenimpulse, die für den Harnblasenmuskel zuständig sind, gestört sind und nicht reagieren, wenn z.B. eine Prostata-Vergrößerung oder neurologische Störungen vorliegen, kann eine Dranginkontinenz ausgelöst werden.

Es wird zwischen der sensorischen und der motorischen Dranginkontinenz unterschieden. Betroffen sind meistens ältere Menschen, wobei diese Erkrankung bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen. Die Kicher- oder Giggle – Inkontinenz kommt äußerst selten vor und wird fast ausschließlich bei Mädchen beobachtet. Beim Lachen und Kichern kann es zu einer Blasenentleerung „in einem Strahl“ kommen. Meist gibt sich diese Inkontinenzform von allein, doch leider nicht immer. Von daher ist ein Arztbesuch ratsam.

Überlaufinkontinenz

Diese Inkontinenzform tritt hauptsächlich bei Männern auf. Hierbei liegt eine mechanische Behinderung des Harnabflusses vor, so dass die Harnblasenwand übermäßig gedehnt wird und schließlich Harn freigibt. Die Störung kann durch eine Verengung der Harnröhre entstehen, die wiederum durch eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata) herbeigeführt wird.

Das bedeutet, dass die Blase ständig übervoll ist und quasi überläuft, weil der Harn nicht abfließen kann. Dadurch entsteht bei den Betroffenen das Gefühl einer stets vollen Blase mit ständigem Harndrang. Auch können Schwierigkeiten zu Beginn des Wasserlassens auftreten.

Bei der Überlaufinkontinenz wird, trotz einer gefüllten Blase, der Urin nur tröpfelnd abgegeben. Gefährlich kann es werden, wenn es durch diese Verengung zu einem Rückstau des Urins in den Harnleiter kommt. Die Folge ist u. U. eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion, die zu einer Harnvergiftung führen kann.

Frauen können von dieser Inkontinenzform ebenfalls betroffen sein. Auch bei ihnen kann sich die Harnröhre verengen, oder es kommt zu einer Organverlagerung (Wechseljahre, Geburten) so dass andere Organe auf die Harnblase drücken und die Harninkontinez auslösen.

Reflexinkontinenz

Diese Form der Inkontinenz hat stets neurologische Ursachen. Sie kann durch Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks entstehen. Hierbei werden die Nervenstränge im Gehirn unterbrochen, die für die Steuerung der Blasenaktivität und der Verbindung zum Schließmuskel, zuständig sind. Blasen- und der Schließmuskel erhalten keine Signale mehr und sind dadurch nicht koordinier- und kontrollierbar.

Es kommt zu einem häufigen Harnverlust, ohne dass der Betroffene den Harndrang und auch den Harnabgang, überhaupt spürt. Da sich der harnaustreibende Muskel nach und nach vergrößert, wird der Druck auf die Blase erhöht, und die Blasenwand dehnt sich extrem aus. Dadurch kann es auch hier, ähnlich wie bei der Überlaufinkontinenz, zu einem gefährlichen Harnrückstau in die Nieren kommen.

Ursachen für eine Reflexinkontinenz können beispielsweise eine Querschnittslähmung, ein schwerer Bandscheibenvorfall oder auch eine Parkinson- Erkrankung sein.

Unterschieden wird zwischen der spinalen und der supraspinalen Reflexinkontinenz. Bei der spinalen Reflexinkontinenz ist die Verbindung von Gehirn zum Rückenmark unterbrochen und zwar als Folge einer Erkrankung oder Verletzung des Rückenmarkes (z. B. Querschnittslähmung, Multiple Sklerose).

Bei der supraspinalen Reflexinkontinenz liegen Störungen der Hirnleistung vor, wie sie durch eine Alzheimer-, Parkinson- oder Demenzerkrankung oder auch durch einen Schlaganfall hervorgerufen werden können. Bei beiden Formen erfolgen unwillkürliche Harnabgänge, ohne dass ein Harndrang verspürt wird.

Stress- oder Belastungsinkontinenz

Bei der Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz handelt es sich um eine Schließmuskelschwäche des Harnblasenverschlusses. Dadurch entsteht im Bauchraum der Betroffenen ein erhöhter Druck, der letztendlich zu einem unwillkürlichen Harnabgang führt. Die Belastungsinkontinenz kommt sehr häufig bei Frauen vor und zwar in jedem Alter.

Auslöser für den spontanen Harnverlust sind alltägliche Situationen wie z.B. husten, lachen, Treppen steigen oder niesen, springen, hüpfen oder etwas Schweres heben und viele weitere körperliche Belastungen.

Bei Frauen hat der Beckenboden die wichtige Aufgabe, den Verschlussmechanismus der Blase zu unterstützen. Eine Schwächung des Beckenbodens kann viele Ursachen haben. Durch eine Schwangerschaft oder eine natürliche Geburt, durch eine Bindegewebsschwäche und durch normale Alterungsprozesse ist die Schwächung der Beckenmuskulatur möglich. Blase und Gebärmutter können sich außerdem im Laufe des Lebens verlagern und auch ein Östrogenmangel in den Wechseljahren, kann bei einer Frau schließlich zu einer Belastungsinkontinenz führen.

Wer unter einer Belastungsinkontinenz leidet hat sehr gute Heilungschancen. Es gibt einige erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten, die auch eine Heilung in Aussicht stellen. Wenn konservative Behandlungsmethoden nicht helfen, besteht immer noch die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Liegt allerdings ein neurologischer Hintergrund vor, der zu der Erkrankung führte, gestaltet sich die Behandlung etwas schwieriger.

Es wird zwischen 3 Schweregraden Stressinkontinenz und Belastungsinkontinenz der unterschieden.

  • Grad: Harnverlust tritt beim Niesen, Husten oder Lachen auf.
  • Grad: Harnverlust wird durch abrupte, plötzliche Bewegungen (springen, hüpfen) hervorgerufen.
  • Grad: Auch im Ruhestand und ohne irgendwelche Belastungen kommt es zu einer Harnabgabe.

Extraurethrale Inkontinenz

Unter einer extraurethralen Inkontinenz wird ein Harnabgang verstanden, bei dem die Harnröhre umgangen und stattdessen der Harn über andere Öffnungen, die so genannten Urinfisteln, abgegeben wird. Diese Fisteln können sich nach Operationen, durch Tumore oder Verletzungen, nach einer Geburt oder Bestrahlungen, zwischen den ableitenden Harnwegen und den Geschlechtsorganen der Frau, entwickeln.

Fisteln, die an der Blase sitzen, verbinden diese z.B. mit der Scheide und dem Enddarm, so dass es zu einem gleich bleibend starken, kontinuierlichen Abgang des Urins kommen kann. Der Grund für eine extraurethrale Inkontinenz kann durch eine bereits angeborene Anomalie bedingt sein oder aber später erworben werden. Sie kommt jedoch relativ selten vor. Eine Operation ist möglich, wenn der Schließmuskel noch funktionsfähig ist.

Dann können die Fisteln entfernt und die Fistelgänge verschlossen werden. Dadurch ist der natürliche Weg des Urins über die Harnröhre wieder hergestellt. Unter Umständen muss allerdings ein Implantat eingesetzt werden.

Stuhlinkontinenz

Wer unter einer Stuhlinkontinenz leidet, ist nicht mehr in der Lage, Stuhlgang oder Winde zurückzuhalten. Betroffen von dieser Erkrankung sind Menschen in jedem Alter, obwohl ältere Menschen häufiger darunter zu leiden haben. In Deutschland wird die Zahl der betroffenen Personen auf ca. 800 000 geschätzt. Die psychische Belastung ist sehr groß, denn die Lebensqualität und das Wohlbefinden werden stark eingeschränkt.

Damit der Verdauungstrakt im Organismus geschlossen werden kann, werden ein innerer und ein äußerer Schließmuskel benötigt. Der innere Schließmuskel ist immer angespannt und gibt nur nach, wenn eine Stuhlentleerung eingeleitet werden soll. Der äußere Schließmuskel wird dagegen angespannt, wenn ein verstärkter Stuhlgang (z.B. Durchfall) ansteht. Aus unterschiedlichen Gründen können die Schließmuskeln ihre Spannkraft einschränken oder ganz verlieren, und es kommt zu einer Stuhlinkontinenz.

Die Ursachen sind sehr vielfältig und häufig müssen unterschiedliche Faktoren zusammentreffen, um die Inkontinenz auszulösen. Auch gibt es verschiedene Formen wie z. B. die neurogene Stuhlinkontinenz, die bei Schlaganfall- Patienten auftreten kann, ebenso bei einer Tumor- und Demenzerkrankung. Oder es handelt sich um die sensorische, muskuläre oder psychorganische Stuhlinkontinenz.

Auslöser für die Erkrankung kann z.B. die mit zunehmendem Alter nachlassende Muskelkraft sein oder das Nachlassen der Beckenbodenspannung. Es kann auch vorkommen, dass der Schließmuskel bei der Entbindung durchtrennt oder verletzt wurde. Ein Dammriss bei der Geburt, Entzündungen, die durch Hämorrhoiden entstehen, Fisteln und Abzesse, Infektionen oder auch Operationen, die in Afternähe durchgeführt werden mussten, sowie Erkrankungen des Enddarms, können mit zu den auslösenden Faktoren gehören.

Bei der Behandlung ist es wichtig, die Grunderkrankung zu erkennen um dann, wenn möglich, als erstes konservative und anschließend medikamentöse Behandlungsmethoden einzusetzen. Sind diese nicht erfolgreich, werden operative Eingriffe in Erwägung gezogen.

Gesellschaft und Psyche

In unserer heutigen Zeit wird sehr viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt. Schon Kleinkinder werden zur Sauberkeit erzogen, trainieren Darm und Blase, werden aufs Töpfchen gesetzt und üben später den „richtigen „ Toilettengang“.

Obwohl unsere Gesellschaft modern, aufgeschlossen und aufgeklärt ist, bleibt eine Harn- oder Stuhlinkotinenz immer noch ein Tabu- Thema. Viele Menschen mit einer Inkontinez schämen sich, zu ihrer Erkrankung zu stehen und verheimlichen sie, so lange es möglich ist. Die Angst vor negativen Reaktionen aus ihrem privaten Umfeld, ist zu groß.

Alte Menschen bekennen sich nicht gern dazu, weil eine Harn- und Stuhlinkontinenz auch heute noch ein Grund für Angehörige sein kann, die Einweisung in ein Pflegeheim zu veranlassen.

Aber auch junge Menschen können von Inkontinenz betroffen sein. Sie betrachten ihre Erkrankung als persönliches Körperdefizit und schweigen darüber solange, bis die Erkrankung nicht mehr zu verbergen ist. Erst dann wird ein Arzt aufgesucht, der in der Regel helfen kann. Bis dahin wurde aber meistens ein recht langer Leidensweg zurückgelegt.

Menschen mit einer Inkontinenz fürchten oft die Reaktionen ihrer Mitmenschen, haben Angst vor Ablehnung und unfreundlichen Kommentaren. Sie fühlen sich immer unsicher und befürchten stets, andere könnten etwas sehen oder an ihnen riechen.

Die Unsicherheit und Angst kann so groß werden, dass betroffene Menschen schließlich den Kontakt zu anderen Mitmenschen meiden. Sie verlassen ihr Zuhause nur, wenn es unbedingt nötig ist, denn sobald sie unterwegs sind, steht die Sorge, sie könnten die nächste öffentliche Toilette nicht mehr rechtzeitig erreichen, im Vordergrund.

So bleiben sie daheim und lehnen jegliche sozialen Kontakte ab. Sie leben isoliert, sind einsam und verlieren nach und nach ihre Selbständigkeit. Alte Menschen nehmen die Inkontinenz oft als Teil des unvermeidlichen Alterungsprozesses hin. Das muss aber nicht so sein.

Medikamente und Wirkstoffe

Bei einer Inkontinenz kann dem Patienten therapeutisch, medikamentös oder operativ geholfen werden. Bevor es zu einer Operation kommt, sollten alle alternativen Möglichkeiten ausgeschöpft sein.

Die Belastungsinkontinenz kann z.B. mit Medikamenten behandelt werden, die gezielt den Harnröhrenschließmuskel stärken und auf diese Weise gegen einen unwillkürlichen Harnverlust wirken.

Bei der medikamentösen Behandlung werden häufig niedrig dosierte Östrogene, als Salbe oder als Tabletten, verordnet. Mit ihnen wird das Gewebe des Beckenbodens versorgt und gestärkt.
Östrogene bewirken eine bessere Durchblutung und eine ebenfalls verbesserte Reaktion der Muskeln, die sich nahe der Harnröhre befinden. Dadurch wird die Blasenentleerung besser kontrollierbar.

Antibiotika werden gegen Blasenentzündungen eingesetzt und müssen vom Arzt verschrieben werden. Meist muss das Medikament auf drei oder fünf aufeinander folgende Tage, pünktlich, eingenommen werden.

Das Medikament Duloxetin hat eine antidepressive Wirkung, lindert psychische Beschwerden und nimmt auch Einfluss auf körperliche Krankheitssymptome. Unter Aufsicht und Anweisung eines Arztes ist mit dem Medikament Duloxetin die Behandlung einer Belastungsinkontinenz möglich.

Es gibt eine recht große Anzahl an Medikamenten, die gegen eine Inkontinenz eingesetzt werden können. Allerdings sind in den Mitteln viele verschiedene Substanzen enthalten, die nicht nur auf die Inkontinenzbeschwerden, sondern auch auf andere Körperbereiche einwirken. Deshalb ist eine individuelle Beratung bei einem Facharzt unbedingt erforderlich.

Zur Therapie einer Dranginkontinenz wird der Wirkstoff Anticholinergika eingesetzt. Er verhindert eine unwillkürliche Kontraktion der Blasenmuskulatur und hilft, den Urinverlust stark zu vermindern.

Ob ein Präparat wirklich hilft, kann meistens erst nach 4- 8 Wochen festgestellt werden. Bis dahin ist ein Durchhalten der Therapie sehr wichtig. Der häufigste und recht unangenehme Nebeneffekt ist die Mundtrockenheit. Erleichterung verschafft das Kaugummikauen oder das Lutschen saurer Zitronenbonbons, da beides den Speichenfluss stark anregt. Bei leichten Formen der Inkontinenz wird gern ein pflanzliches Mittel auf Basis von Kürbissamenextrakten eingesetzt.

Übungen und Hilfsmittel

Um einem unwillkürlichen Harndrang zuvor zu kommen, sollte die Blase trainiert und regelmäßig, zu bestimmten Zeiten, geleert werden. Auch beim Wasserlassen auf der Toilette ist eine Aktivierung des Schließmuskels möglich. Dazu wird lediglich der Harnstrahl willkürlich unterbrochen. Diese Übung dient als Training und stärkt den Schließmuskel.

Eine sehr gute Therapiemöglichkeit ist das Toilettentraining, das ein Miktionstraining, ein Blasentraining und ein Verhaltenstraining beinhaltet. Der Patient soll wieder ein Gefühl für seine Blase bekommen, in dem er versucht, die Blasenentleerung hinauszuzögern, um mit der Zeit den optimalen Zeitpunkt für die Blasenentleerung zu finden. Damit kommt er einem unwillkürlichen Harndrang zuvor, wodurch er seinen Alltag optimaler planen kann.

Sehr nützlich ist, während dieses Trainings, ein Miktionsprotokoll zu führen, in dem die Flüssigkeitsaufnahmen, die Flüssigkeitsausscheidungen und noch weitere Angaben, genau dokumentiert werden.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss des Therapeuten, denn durch ihn wird der Patient motiviert durchzuhalten, wird aufgemuntert und erfährt freundlichen Zuspruch; er fühlt sich angenommen und auch ernst genommen.

Das Beckenbodentraining ist eine sehr gute Therapie bei einer bereits bestehenden Inkontinenz, bietet sich aber gleichzeitig auch als prophylaktische Maßnahme an. Der Beckenboden trägt und stützt innere Organe und verhindert ein Absenken. Deshalb ist es wichtig, den Beckenboden gesund zu erhalten.

Durch gezielte Übungen, unter Anleitung einer geschulten Fachkraft, wird der Beckenboden gestärkt und gekräftigt. Mitentscheidend für den gewünschten Erfolg ist die regelmäßige Durchführung der Übungen, ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen, viel Disziplin und auch Zeit.

Aber auch im Alltag lassen sich einige Tipps umsetzen. So sollten Fehlhaltungen wie z.B. langes Stehen oder krummes Sitzen, möglichst vermieden werden. Eine aufrechte Haltung und ein dynamischer Gang kommen der gesamten Muskulatur zugute.

Wer auf jeder Seite eine Tasche trägt, statt auf einer Seite nur eine einzige, gleicht das Gewicht aus und entlastet die Wirbelsäule. Beim Heben schwerer Gegenstände sollte die Belastung stets auf die Beinmuskulatur verlagert werden und beim Bücken ist es besser, leicht in die Knie zu gehen, damit der Organismus geschont wird.

Die weiteren Hilfsmittel für den Alltag ergeben sich aus dem Schweregrad der Inkontinenz. Bei diesen Hilfsmitteln kommt es u. a. auf eine optimale Passform und einen angenehmen Tragekomfort an.

So gibt es anatomisch geformte Vorlagen und Einlagen, aber auch weiche und saugfähige Windeln und Höschenwindeln. Für Männer werden Auffangbeutel und Tropfenfänger angeboten. Das Material muss den Harn sehr gut auffangen und aufsaugen können, um dem Träger ein sicheres und hygienisches Gefühl zu vermitteln. Nur dann wird er in der Zukunft, angstfrei und selbstbewusst, sein Leben gestalten können.

Was kann man selber tun?

Wer die ersten Anzeichen einer Inkontinenz an sich feststellt, darf sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen, denn eine Inkontinenz ist in erster Linie ein Signal des Körpers dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Je früher mit einer Behandlung und Therapie begonnen werden kann, umso größer sind die Aussichten auf eine Heilung.

Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der dann aber eine Überweisung zu einem Facharzt, dem Urologen, ausstellen wird. Auch eine Untersuchung bei einem Gynäkologen kann für Frauen nötig werden.

Schon bei der Terminabsprache können einige Dinge geklärt werden, so dass der erste Arztbesuch etwas stressfreier abläuft. Zum Beispiel kann die Frage geklärt werde, ob man vor dem Arzttermin etwas essen oder trinken darf oder ob Medikamente, die bisher eingenommen werden mussten, an diesem Tag besser nicht genommen werden sollen.

Sehr hilfreich ist, wenn bereits zu Hause grundsätzliche aber auch persönliche Fragen an den Arzt, notiert werden. Das Entscheidende ist jedoch, die Hemmschwelle zu überwinden und sich sachkundige und kompetente Hilfe bei Ärzten zu holen, denn die heutige Medizin ist so weit fortgeschritten, dass sich viele der verschiedenen Inkontinenzformen bereits heilen oder aber zumindest lindern lassen

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